Sagitta Market Research Ltd

Consumer Quantitative Research

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Die Auswirkungen eines möglichen Brexits auf die europäische

Marktforschungs-Branche

Von Helen Lester, Sagitta Research

Als britische Marktforschungsagentur zählen wir zahlreiche europäische Unternehmen und Agenturen zu unserem Kundenkreis. Am 23. Juni wird nun das britische Volk in einem Referendum über die Zukunft des Landes in der Europäischen Union (EU) abstimmen. Es wird zur Zeit viel darüber diskutiert, welche Auswirkungen ein möglicher Brexit für Großbritannien, die EU und die Wirtschaft haben könnte. Darüber hinaus wird auch über mögliche politische und soziale Folgen eines britischen „Alleingangs“ debattiert. Doch welche Auswirkungen hätte der Brexit eigentlich auf die europäische Marktforschungs-Branche?

Werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf die Geschichte der EU. Der Ursprung der heutigen EU begann in den 1950er-Jahren, als sich sechs Länder – Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande – zur Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) zusammenschlossen. Neben wirtschaftlichen Vorteilen, spielten auch politische Überlegungen eine Rolle. So erhoffte man sich, dass gemeinsame wirtschaftliche Interessen zu einem geringeren Konfliktpotential und damit auch zu stabilen Verhältnissen in Europa beitragen würden. Nach langen und zähen Verhandlungen, traten 1973 schließlich Dänemark, Irland und Großbritannien der Gemeinschaft bei.

Während Dänemark, Irland und Norwegen (dort wurde ein Beitritt abgelehnt) in Referenden über einen Beitritt abstimmen ließen, wurde Großbritanniens Beitritt vom Parlament beschlossen. Nach innenpolitischen Protesten und einem Regierungswechsel, fand im Jahr 1975 die erste Volksabstimmung in der Geschichte Großbritanniens statt. Das Land, das 12 Jahre lang auf einen Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft (EG) gewartet hatte, stimmte keine zwei Jahre später bereits über einen Verbleib in selbiger ab. Eine Mehrheit von 67,2 Prozent votierte damals für einen Verbleib in der EG.

Mittlerweile zählt die EU nach zahlreichen Erweiterungen 28 Mitgliedsstaaten und ist zu einem riesigen Binnenmarkt angewachsen, in dem Güter und Personen frei verkehren können. Die EU verfügt sogar über ein eigenes Parlament, welches die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Gemeinschaft bestimmt. Überdies sind 19 der 28 EU-Mitgliedsstaaten auch Teil einer Währungsunion und haben mit dem Euro ein einheitliches Zahlungsmittel. Großbritannien gehört wenig überraschend nicht dazu.

Obwohl zwei der finanziell stabilsten Länder der Welt, namentlich die Schweiz und Norwegen, nicht Teil der EU sind, hat bis heute noch kein Land seinen Austritt aus der EU erklärt.[1] Was also wären die Konsequenzen, sollte das britische Volk für einen Brexit stimmen? Präziser gefragt, welche Folgen hätte dies für die Marktforschung in Europa? Die Antwort darauf kommt ganz auf die jeweilige Sichtweise an. So argumentiert das Lager der EU-Befürworter z. B. damit, dass die Aufrechterhaltung von Niederlassungen in Großbritannien für viele große Konzerne und Unternehmen, speziell jene aus der Fertigungsindustrie, unattraktiv werden könnte. Dabei denken sie vor allem an diverse mögliche Be- und Einschränkung den Arbeitsmarkt sowie Steuer-, Recht- und Handelsangelegenheiten betreffend. Erst kürzlich deutete BMW in einem Brief an seine Mitarbeiter sogar einen möglichen Rückzug aus Großbritannien an. Explizit wurde in dem Schreiben vor möglichen Arbeitsplatzverlusten als Folge eines Brexits gewarnt. Sollten tatsächlich mehrere Großkonzerne ihre Engagements in Großbritannien zurückschrauben oder sich gar vollständig aus dem Land zurückziehen, könnte dies zu einem Rückgang von Marktforschungsstudien in ganz Europa führen. Voraussichtlich würde sich dadurch auch die Auftragslage heimischer Marktforschungs-Agenturen verschlechtern. Wenn darüber hinaus durch den Brexit auch noch der Wechselkurs negativ beeinflusst würde (wie es der Fall war, als David Cameron den Tag für die Abhaltung des Referendums bekannt gab), so würden Marktforschungs-Agenturen aus Großbritannien aufgrund der gestiegenen Kosten auch weniger Aufträge aus Europa erhalten.

Die EU-Gegner wiederum argumentieren, dass ein Brexit keinen kompletten Rückzug Großbritanniens aus Europa zur Folge hätte. So unterhielten auch Norwegen und die Schweiz enge wirtschaftliche Beziehungen mit der EU, ohne jedoch Mitglied dieser zu sein.[2] Gemäß des Vertrages von Lissabon hätte Großbritannien zwei Jahre Zeit, um einen Auflösungsvertrag mit der EU auszuhandeln. Dieser könnte dann bereits die Neuregelung der Beziehungen mittels bilateraler Abkommen bezüglich Arbeitnehmerfreizügigkeit, Freihandel usw. auf den Weg bringen. Es wäre gar denkbar, dass die Wirtschaft von einem Brexit profitierte. Ohne EU-Mitgliedschaft könnte Großbritannien Handelsabkommen mit anderen Staaten frei verhandeln, was die Beziehungen zu manchen Staaten sogar verbessern könnte. In diesem Szenario könnte Großbritannien zu einem stärkeren Partner für einige Länder werden, was sich dann voraussichtlich auch in der Vergabe für multinationale Forschungsstudien in Zusammenarbeit mit Agenturen aus Großbritannien widerspiegeln würde.

Es ist nicht gewiss, was das Referendum am 23. Juni 2016 ergeben wird. Genauso wenig ist es vorhersehbar, welche wirtschaftliche Folgen der Brexit tatsächlich haben würde. Aber bei allen Unwägbarkeiten sind Marktforschungsagenturen wie Sagitta zur Zeit unentwegt im Einsatz, um Zeitungen und Medienagenturen im Vorfeld des Referendums mit Umfragewerten und Stimmungsbarometern zum Votum zu versorgen.

Wenn Sie mehr Informationen zu unseren Service-Leistungen, wie Straßeninterviews, Fokusgruppen, Ausstiegsinterviews uvm. wünschen, kontaktieren Sie uns doch einfach per E-Mail unter office@sagittamr.com oder rufen Sie uns an unter +44 (0)1303 262259.

1. Lediglich das zu Dänemark gehörende autonome Grönland trat 1985 nach einem Referendum aus der Gemeinschaft aus.

2. So ist Norwegen neben Island und Lichtenstein sowohl Mitglied der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), als auch des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), der eine Erweiterung des Europäischen Binnenmarktes ist.
Die Schweiz ist zwar EFTA-Mitglied, ist jedoch nicht Teil des EWRs. Stattdessen existieren diverse bilaterale Abkommen mit der EU, die u. a. auch die Personenfreizügigkeit sowie die Abkommen von Dublin und Schengen betreffen.